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Zugangsbeschränkungen

Dies ist die allgemeine Überblicksseite zu Zugangsbeschränkungen im Hochschulsystem. Die letzten zu diesem Thema veröffentlichten Artikel findest du hier!

1. Stand der Dinge
2. Gegen Zugangsbeschränkungen!
3. Wir fordern daher
4. Hintergrund
5. Quellennachweis

1. Stand der Dinge

Im Wintersemester 2010/11 waren rund 51% aller grundständigen Studiengänge örtlich zulassungsbeschränkt („numerus clausus“, n.c.)1. Zudem finden Selektionsverfahren wie Eignungstests und Prüfungsgespräche verbreitet Anwendung, Praktika werden vorausgesetzt, die Zulassung wird oft pauschal wegen einzelner Schulnoten abgelehnt. Dabei sind derartige Auswahlverfahren nicht im Sinne des Grundgesetzes und wurden bereits als verfassungswidrig eingestuft. Weiteres im Abschnitt Hintergrund.

Zuletzt entschied das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen Ende September 2011, dass die Wartezeit auf einen Studienplatz nicht zumutbar ist, wenn sie die Regelstudienzeit überschreitet2. Dennoch dürfte sich die Zahl der zulassungsbeschränkten Studiengänge weiter ausweiten, da durch die doppelten Abiturjahrgänge in Bayern und Niedersachsen die Zahl der Erstsemester-Studierenden in Bayern 2011 die Prognosen um fast 8% übertreffen wird3. Fast 85.000 Menschen werden 2011 in Bayern ein Erststudium aufnehmen – 2010 waren es noch knapp 57.0004!

2. Gegen Zugangsbeschränkungen

Ein Grund für die Einführung von Zulassungsbeschränkungen ist, dass den Hochschulen nicht ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden. Dies erlaubt ihnen strenge Auswahlkriterien, sodass keine freie Studienplatzwahl mehr möglich ist.

Die entsprechenden Regelungen werden von den Regierungen der Bundesländer und den Hochschulen getroffen und sind daher uneinheitlich. Die Auswahlkriterien können nie objektiv sein.

Mit Einführung des Bachelor-Master-Systems wurde eine weitere Zulassungshürde geschaffen. Bachelor-Absolvent_innen haben keinen Anspruch auf einen weiterführenden Master-Studienplatz, auch hier werden oft nur die Studierenden mit den besten Abschlussnoten für einen weiterführenden Studiengang zugelassen, und das, obwohl in vielen Fächern ein Bachelor-Abschluss nur auf dem Papier ein tatsächlich berufsqualizierender Abschluss ist. Nach unterschiedlichen Berechnungen sind zwischen 24% und 37% aller Master-Studiengänge örtlich zulassungsbeschränkt5!

Der ständige Konkurrenzkampf um Studienplätze und der Leistungsdruck stehen in krassem Widerspruch zum Grundrecht auf freies Lernen, freie Bildung und der damit einhergehenden Entfaltung der eigenen Persönlichkeit.

3. Wir fordern daher

  • das Recht auf einen Masterstudienplatz für jede_n einzelne_n Bachelorabsolvent_in
  • zunächst die Erlassung eines Bundeshochschulzulassungsgesetzes, in dem alle Zulassungskriterien einheitlich geregelt werden, solange sie noch bestehen. Die Möglichkeit dazu ist durch die Föderalismusreform 2006 ausdrücklich gegeben6
  • .

  • die Ausfinanzierung der Hochschulen durch Bund und Länder und, damit einhergehend, die Abschaffung aller Zugangsbeschränkungen, die zur Mangelverwaltung eingeführt wurden

4. Hintergrund

Artikel 12(1) des Grundgesetzes besagt7:

Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen.

Zulassungsbeschränkungen widersprechen offensichtlich diesem Recht. Laut Urteil des Verfassungsgerichts von 1972 („Numerus-Clausus-Urteil“8) sind Zugangsbeschränkungen wie der numerus clausus nur zur Verwaltung eines Mangels an Ausbildungskapazitäten verfassungsgemäß.

Da viele Studiengänge – insbesondere die „beliebten“ Studiengängen wie Psychologie und Medizin9 – seit Jahrzehnten flächendeckend zugangsbeschränkt sind, kann jedoch kaum von einer akuten Mangelverwaltung gesprochen werden. Vielmehr scheinen die Zulassungs-Regulierungen von den Landesregierungen als willkommenes Mittel gesehen zu werden, die systematische Unterfinanzierung der Hochschulen beizubehalten und den Staatshaushalt lieber für andere Dinge als die Bildung, das Wichtigste Gut des Staates, auszugeben.

Der „numerus clausus“ ist ein eklatanter Verstoß gegen das Grundgesetz, und es darf nicht sein, dass dieser über viele Jahrzehnte hinweg aufrecht erhalten wird!

5. Quellennachweis


1Deutscher Bundestag: Drucksache 17/5475, 12.04.2011
2Zeit Online: Gericht hält Wartesemester für verfassungswidrig, 30.09.2011
3Süddeutsche Zeitung: So viele Studenten wie nie, 15.10.2011
4Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst: Studierendenzahl in Bayern erreicht im Wintersemester 2010/2011 neuen Höchststand, 18.10.2010
5Studis Online: Bleibt der Übergang vom Bachelor zum Master ein Nadelöhr?, 15.04.2011
6juris.de: Hochschulrahmengesetz
7juris.de: Grundgesetz
8servat.unibe.ch: BVerfGE 33, 303 – numerus clausus I
9nc-werte.info: Top 50 der NC-Werte im Wintersemester 2011/2012

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